Turboladerschäden an PSA-Motoren 1.6 HDi (9HX) und 1.6 HDi (9HY/9HZ) erfordern intensive Reparaturmaßnahmen

 

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PROBLEM:

Die überdurchschnittliche Verunreinigung des gesamten Motorschmiersystems (Transport von Rußablagerungen und Metallabrieb) der 1.6 HDi-Motorengeneration führt zu mangelnder Ölversorgung und dadurch sehr häufig zum vorzeitigen Defekt der Abgasturbolader!

Folgen: Leistungsverlust und/oder starke Rauchentwicklung sowie verstärkte Laufgeräusche des Turboladers!

Sieb in Hohl- schraube der Ölzulaufleitung zugesetztÖlverschlammung des RadiallagersLagerstellen der Welle beschädigt durch ÖlmangelVerdichterrad an Verdichter-
gehäuse angelaufen
Turbinenrad an Turbinengehäuse angelaufe

 

Signifikante Turboladerschäden:

  • Läuferwelle festgelaufen bzw. blockiert. Ein typischer Ölmangelschaden im Endstadium, hervorgerufen durch Verstopfun­gen des komplexen Ölsystems der Wellenlagerung.
  • Verdichterseitige Wellenmutter gelöst bzw. komplett entfernt. Wellenmuttern lösen sich ausschließlich durch abnorme Verzögerungen wie z.B. eine Blockierung der Läuferwelle. Eine komplett abgedrehte Wellenmutter hinterlässt Ein­schlags­merkmale im Trichter des Verdichtergehäuses bzw. am Verdichterrad. Achtung: zur Vermeidung von Folgeschä­den un­bedingt sicherstellen, dass die Wellenmutter vorhanden ist! Dazu gesamtes, dem Verdichter vorgeschaltetes An­saugsys­tem auf Fremdkörper untersuchen.
  • Verdichtergehäuse und Verdichterrad stark beschädigt. Hierbei führte ein deutlich erhöhtes Lagerspiel zum „Anlaufen“ bei­der Systemkomponenten. Latente Beanspruchung durch verunreinigtes Schmieröl folgert hohen Verschleiß der Lager­bauteile. In Grenzfällen wird das maximal zulässige Lagerspiel überschritten. Das konstruktiv abgestimmte Gesamtsystem kollabiert.

 

DIAGNOSE:

Vor der Erneuerung des Turboladers sind folgende Diagnoseschritte mit entsprechenden Kompensationsmaßnahmen durchzuführen:

  • Öldruckprüfung an der Versorgungsleitung des Turboladers. Motorölmenge auf korrekten Stand kontrollieren. Hohl­schraube der Öldruckleitung entfernen. Hierbei unbedingt Sichtprüfung am Siebeinsatz durchführen, ggf. Sieb reinigen oder erneuern. Geeigneten Adapter zur Öldruck- Kontrolle montieren. Öldruck über einen Zeitraum von min. 10 Min mes­sen. Motordrehzahl ca. 2.000 U/min. Der mittlere Systemdruck sollte mindestens 2 bar ergeben.
  • Sichtkontrolle nach Ölschlamm und Ölklumpenbildung. Ventildeckel und Ölwanne demontieren. Ventiltrieb nach massi­ven Ölablagerungen untersuchen, ggf. reinigen. Ölwanne im Bereich der Beruhigungssicken und im Saugbereich der Ölpumpe auf starke Verunreinigungen überprüfen, ggf. reinigen oder erneuern. Unbedingt Ansaugsieb der Ölpumpe reini­gen bzw. ersetzen! Generell ist eine nachfolgende Spülung des Ölkreislaufs empfehlenswert.
  • Sichtprüfung nach Verunreinigungen des Ansaug- und Ladeluftsystems. Sichtprüfung am Verdichtereinlass des Turbo­laders durchführen. Dazu Ansaugschlauch entfernen. Weist der sichtbare Verdichterbereich dunkle, rußartige Ver­schmutzungen auf, ist von starken Rußeinlagerungen an den Komponenten des Frischluftansaugsystems sowie des La­deluftdrucksystems auszugehen. Ursächlich hierfür ist die Architektur der Kurbelhausentlüftung. Ansaugkrümmer nach dem Mündungsbereich der Kurbelgehäuse-Entlüftung befunden, ggf. säubern. Ladeluftkühler demontieren, eingelagertes Öl entlee­ren, nachfolgend intensive Spülung durchführen.

 

REPARATUR:

Achtung! Für ale Fahrzeuge mit oben genannten Motoren gilt:

  • Spezifikation des Ölmessstabs überprüfen, ggf. durch neue Generation ersetzen. Sollte der aus schwarzem Kunst­stoff bestehende Messstab mit einem gelben Griff versehen sein, wird ein Austausch notwendig. Hierbei die aktuelle Bau­form aus weißem Verbundwerkstoff mit orangefarbigen Griff (ET-Nr. 1174E6) verwenden.

 

Bei Fahrzeugen mit Laufleistungen > 60.000 km werden aus Gründen oben genannter Konstruktionsmängel bzw. deren Folgen neben der Erneuerung des Turboladers weitere Prüfschritte (Vorlage von Metallabrieb) und Reparaturmaßnahmen notwendig:

  • Ölkühler- / Ölfiltereinheit säubern. Filtereinheit demontieren, entleeren und Filtereinsatz entsorgen. Ölkühler zerlegen, mittels Bremsenreiniger und Druckluftpistole Tiefenreinigung durchführen. Danach gesamte Baugruppe zusammen mit neuer Filterpatrone montieren. Ölrücklaufleitung und alle erforderlichen Dichtungen erneuern.
  • Unterdruckpumpe Bremssystem reinigen. Pumpe demontieren, zerlegen und unter Verwendung von Bremsenreiniger und Druckluft tiefenreinigen. Danach montieren, alle notwendigen Dichtungen ersetzen.
  • Ansaugrohr der Ölpumpe ersetzen. Dazu Ölwanne demontieren, Pumpensaugrohr und Filtereinsatz erneuern. Danach Ölwanne mittels Bremsenreiniger und Druckluft reinigen und montieren. Bei irreparablen Verschmutzungen neue Ölwanne verwenden.
  • Auslassleitung des Turboladers überprüfen. Bei Fahrzeugen bis Baujahr 05/2006 können sich Risse gebildet haben. In diesem Fall Auslassleitung ersetzen.
  • Ein- und Auslassleitung des Luftfilters überprüfen. Bauteile auf Einschränkung des Luftdurchflusses und Verunreinigun­gen kontrollieren, ggf. gründlich reinigen oder ersetzen.
  • Injektoren überprüfen. Bei Undichtigkeit/starken Ruß-/Ölkohleablagerungen die Injektoren ausbauen und die unteren, sowie auch die oberen Kupferdichtringe (Wärmeschutzscheiben) erneuern.

 

WICHTIG: BEACHTEN SIE AUCH DIE SERVICE- UND WERKSTATTVORSCHRIFTEN DER FAHRZEUGHERSTELLER!

Nach Abarbeitung der voran gestellten Prüf- und Reparaturmaßnahmen wird der Turbolader ersetzt. Hierbei wird auf die fol­genden, notwendigen Zusatzarbeiten hingewiesen:

  • Es sind zwingend die Ölvor- und Ölrücklaufleitung sowie deren Verbindungselemente (wie Hohlschrauben) zu erneuern!
  • Alle relevanten Anbau- und Montageteile sind zu ersetzen. Dazu entsprechenden Anbausatz verwenden.
  • Ersetzten Turbolader nie trocken laufen lassen! Daher nach der Montage manuelle Erstbefüllung mit Motorenöl oder dem Anbausatz beiliegenden Spezialöl vornehmen. Läuferwelle verdichterseitig von Hand ca. 10 x 360° drehen. Alle Schmier­stellen erhalten somit eine Erstversorgung.
  • Durchflussmessung durchführen. Nach erfolgter Montage und Erstbefüllung des Turboladers alle Luftschläuche (auch Saugschlauch zum Luftfilter) montieren. Ölvorlaufleitung am Turbolader befestigen. An Stelle der Ölrücklaufleitung einen geeigneten, handelsüblichen Schlauch an den Rücklaufflansch des Turboladers montieren! Schlauch in einem Auffangbe­hälter führen. Motor mit Motorenöl befüllen. Während des Messvorgangs sicherstellen, dass der Mindestölstand nicht un­terschritten wird. Messung beginnen. Dazu Motor starten und im Leerlauf laufen lassen. Nach 60 Sekunden Motor aus­schalten. Ölvolumen im Behälter messen. Bei einem ununterbrochenen Ölfluss sollten mindestens 0,3 Liter Öl aufgefan­gen worden sein. Um den korrekten Ölfluss zu bestätigen, Test 2 bis 3 Mal wiederholen. Messschlauch demontieren und abschließend die „richtige“ Ölrücklaufleitung am Turbolader befestigen.

 

KONTROLLE:

Verlängerte Probefahrt durchführen. Am Ende der Probefahrt das Fahrzeug kurzzeitig unter Vollastbedingungen bewegen. Für einen nachhaltigen Reparaturerfolg empfehlen die Fahrzeughersteller (siehe Tabelle der Fahrzeugspezifikationen), abschließend noch einmal das Motoröl und den Ölfilter zu erneuern!

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Zuordnungsdetails erhalten Sie aus TecDoc oder unter Telefon 0221 5400-3160

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